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Break on through! Wo die Angst ist, ist der Weg

Die Angst hat viele Gesichter. Sie ist ein ständiger Begleiter in unserem Leben. Sie stellt zuverlässig ihre Warnschilder auf und schützt uns vor Gefahren. Sie hindert uns, dumme Entscheidungen zu treffen, wenn es um Leib und Leben geht. Manch einer fordert sie heraus und spielt gern mit ihr, indem er zum Beispiel waghalsig von der Klippe springt und hofft, dass der Fallschirm aufgeht. Der Kick liegt dann in der Überwindung der Angst. Nervenkitzel pur! So kann die Angst auch zur Droge werden.

Was uns Angst macht, vermeiden wir

angstWenn wir uns von ihr abhängig machen, wird die Angst aber schnell zum Feind. Denn mit der Angst schleichen sich viele Befürchtungen in unseren Kopf, die gleichzeitig heftige Reaktionen in unserem Körper auslösen. Wir erahnen ein bestimmtes Risiko. Wir spüren, dass wir die Kontrolle verlieren, wenn wir einen Schritt weitergehen. In uns entwickeln sich plötzlich ungeahnte Horrorszenarien, die eintreten könnten. Und so unrealistisch diese von außen betrachtet auch sein mögen, in diesem Moment fühlen wir uns absolut hilflos. Wenn dann die Luftnot einsetzt, wir wacklige Beine kriegen, einen roten Kopf und das Herz beginnt, zu rasen, dann gibt es nur eines: die Flucht! Die Vermeidung verschafft uns erstmal Erleichterung. Wir sind nochmal davon gekommen. Aber das Versteckspiel mit der Angst können wir auf Dauer nicht gewinnen.

Was wir vermeiden, schränkt uns ein

angstDas Problem mit der Angst ist: je öfter wir ihr nachgeben, desto drängender wird sie. Und je drängender sie wird, desto stärker schränkt sie unseren Handlungsspielraum ein. Die Komfortzone, in der wir uns sicher fühlen, wird dadurch immer kleiner. Wir verbarrikadieren uns förmlich, um der Angst bloß nicht zu begegnen und tüfteln zu diesem Zweck die schärfsten Strategien aus. Vollkommen bestimmt von der Angst büßen viele Menschen auf diese Weise ein hohes Maß an Lebensqualität ein.
Es ist völlig gleich, welche Angst dich im speziellen umtreibt und in welchem Umfang sie dich auf Trab hält. Ob du Angst hast vorm Fliegen, vor öffentlichen Plätzen, anderen Menschen, Hund oder Katz – diese Angst, die mit bestimmten Objekten oder Situationen einhergeht, ist ein Ausdruck von etwas Größerem, das uns allesamt miteinander verbindet und unser Menschsein ausmacht.

Diese Angst eint uns alle

Wir haben ein existentielles Interesse daran, nicht vernichtet zu werden und müssen uns doch eingestehen, dass wir nicht drum herum kommen. Diese Angst vor der Vernichtung zeigt sich in der Vermeidung, ein Flugzeug zu besteigen, beim noch so kleinen Fiffi die Straßenseite zu wechseln oder mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Denn auch eine mögliche Ablehnung von anderen bedeutet Ausgrenzung, fehlende Zugehörigkeit und Einsamkeit, die einer Vernichtung gleichkommt. Wir können der Vernichtung nicht ausweichen. Es liegt in der Natur unserer Existenz, irgendwann zu sterben und nicht mehr zu sein. Dagegen können wir uns nicht wehren. Wie sich die Vernichtung unserer Existenz nicht aufhalten lässt, so lässt sich auch die Angst vor der Vernichtung nicht vermeiden. Was wir aber tun können, ist, mit unserer Angst vor der Vernichtung umzugehen.

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Der Angst begegnen, heißt: dem Leben begegnen

Vor dem Hintergrund der unabwendbaren Wahrheit deiner Existenz hast du in deinem Leben eine Entscheidung zu treffen: willst du dich diese Zeit auf Erden beherrschen lassen von deinen Befürchtungen und Ängsten, oder willst du alle Möglichkeiten, die dir dein Leben bietet, ergreifen und vollkommen wahrhaftig werden lassen? Ich empfehle dir natürlich nicht, dich jetzt auf das nächste Hochhaus zu stellen und zu versuchen, doch noch das Fliegen zu lernen. Doch solltest du dich für ein selbstbestimmtes Leben entscheiden, das dir entspricht, dann führt der Weg nur durch deine Angst. Zu Beginn deines Weges kannst du dir folgende Fragen stellen:

Was wünsche ich mir eigentlich für mein Leben? Willst du eigentlich schon lange einen anderen Job? Oder träumst du von einer Rundreise im Backpackerstyle? Oder hast du einen tollen Menschen kennengelernt, der gar nicht weiß, dass du ihn magst?

Was macht mir Angst, wenn ich mir vorstelle, meine Wünsche in die Tat umsetzen? Vielleicht hast du Angst, dass der Jobwechsel ein großer Fehler ist und du am Existenzminimum kratzt. Vielleicht hast du Angst, auf der großen Rundreise verloren zu gehen oder überfallen und ausgeraubt zu werden? Vielleicht erteilt dir der Mensch deines Herzens eine Abfuhr?

Wie realistisch ist diese Angst?

Was passiert im schlimmsten Falle, wenn sich meine Angst bewahrheitet? Wie kann ich darauf reagieren und welche Maßnahmen kann ich ergreifen?

Wer in meinem Umfeld kann mich dabei unterstützen, mich meinen Ängsten zu stellen?

Das sind erste Denkanstöße und Anregungen für dich, dir deiner Angst bewusst zu werden und die Szenarien deiner Befürchtungen explizit anzuschauen. Damit bist du natürlich noch nicht in die Lage versetzt, deiner Angst die Stirn zu bieten und ehrgeizig zur Tat zu schreiten. Aber du hast eine gute Voraussetzung geschaffen, um mit deiner Angst auf deinem Weg zu gehen. Du kannst sie anerkennen als einen Teil von dir, der ebenso da ist wie der Wunsch nach Verwirklichung deiner Wünsche und dem Zugewinn an Freiheit, der in dir schlummert. Das sind zwei starke Kräfte, die es abzuwägen und auszubalancieren gilt.

Dabei wünsche ich dir ganz viel Mut!

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