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Widerstand! Über die tatsächliche Funktion innerer Blockaden

Wie aufreibend und zermürbend ist es, nicht vom Fleck zu kommen. Wenn wir blockiert sind, scheint es eine unsichtbare Hürde zu geben, die uns daran hindert, das zu tun, was wir uns vorgenommen haben. Wie kleine Vögelchen schlagen wir hilflos mit unseren Flügeln. Dabei ist der innere Widerstand, für den wir weder Erklärung noch Lösung haben, ein guter Begleiter, wenn er auch sehr hartnäckig und nicht leicht zu verstehen ist.

Vom Wollen, aber nicht können

WiderstandDie letzten Wochen waren gezeichnet von Lähmung und Stillstand. Mit jeder Menge Ideen und Aufgaben im Hinterkopf zu spannenden Themen und neuen Rubriken war ich nicht in der Lage, auch nur einen kleinen Tippelschritt nach vorn zu machen. Diese felsenfeste Starre in mir konnte ich nicht begreifen, es war doch alles da! Wochenlang sammelte ich hier und da Inhalte für den Blog, die ich kategorisch abarbeiten wollte. Und es gab über die Beiträge hinaus noch genug andere Aufgaben, die darauf warteten, endlich in Angriff genommen zu werden: Gastbeiträge, Bloganpassungen, Reichweitenankurbelungsstrategien und so weiter und so fort.

Trotz dessen ging einfach gar nichts. Ich fühlte mich blockiert und erfand Ausflüchte, meine Programmpunkte auf den nächsten Tag zu verschieben (…und nächsten und übernächsten). Ich suchte und wartete auf den perfekten Moment der Schaffenskraft, in dem die Tastatur wieder glüht und ich gar nicht so schnell schreiben kann, wie die Gedanken aus mir herauspurzeln.

Gegen den Widerstand!

Die Phasen des Widerstands kennen wir alle sehr gut. Die Aufgaben, die wir nicht erledigen, wiegen meist am schwersten auf den Schultern.
Um dem Widerstand Herr zu werden und gegen die Blockade anzugehen, entwickeln wir unterschiedliche Strategien: wir entwerfen diffizile Pläne mit detaillierten Zeitangaben, um Schritt für Schritt dem Ziel näher zu kommen. Wir gehen früh schlafen, um am nächsten Tag fit zu sein oder räumen erstmal die Wohnung auf, um eine geeignete Atmosphäre zu schaffen.

widerstand

Dazu finden wir überall Faktoren oder Menschen, die an der Blockade Schuld sind: „Ich habe ja gar keine Zeit, die Sache zu bewerkstelligen. Ständig will irgendjemand was von mir. Und überhaupt brauche ich erstmal Urlaub, mir wird in meinem Alltag ja überall die Energie geraubt für das, was jetzt tatsächlich wichtig ist. Ich kann ja gar nicht anders.“

Auf der anderen Seite wird unser innerer Kritiker immer drängender mit jedem einzelnen Tag, der verstreicht, ohne einen Finger krummgemacht zu haben: „Was bist du nur für eine Flasche? Du bist doch selbst schuld, wenn du nichts auf die Kette kriegst. Große Klappe, nix dahinter! Sieh es ein, du hast dich übernommen. Überlass anderen das Feld, die wirklich was drauf haben und es jeden Tag beweisen. Auf dich hat die Welt nicht gewartet.“

Mit dem Widerstand!

WiderstandDamit ist das Problem natürlich nicht gelöst. Weder finden wir den Grund, weshalb sich etwas in uns verkantet hat, noch haben wir der Blockade etwas Wirksames entgegenzusetzen. Stattdessen schmoren wir in unserem eigenen Saft und strampeln mit Schnellschüssen und Sündersuche handlungsunfähig gegen den Widerstand an.

Genau dieses gilt es zu akzeptieren. „Ja, ich bin gerade handlungsunfähig, passiv, ohne Kontrolle. Sämtliche, rationale Überlegungen und taktischen Methoden, dem Widerstand zu entgehen, greifen ins Leere. Ich verstehe die Situation gerade nicht und kann sie nicht lösen.“

Die gute Nachricht ist: wir müssen die Blockade nicht verstehen! Sie ist einfach da, lacht uns an und weicht nicht von uns. Das darf sie auch, sie hat ihre Gründe. Wenn sie sich also nicht vertreiben lässt und stärker wird mit jedem Hauruck gegen sie, dann bleibt nur eine Möglichkeit – nicht gegen, sondern mit dem Widerstand gehen!

Nur das tun, was keinen Widerstand erzeugt!

Da mein inneres und äußeres Aufbäumen nichts nützte, wagte ich ein Experiment und sagte mir: „Ok, ich komme gerade nicht voran. Und vielleicht werde ich nie wieder einen Beitrag schreiben und diesen Blog einmotten. Dann soll es so sein, ich werde mich nicht mehr dagegen wehren.“

Widerstand

Ich entschied mich für den leichten Weg und tat nur noch das, was keinen Widerstand erzeugte. Nach drei Tagen bemerkte ich, dass ich lockerer war und das Gefühl verloren hatte, etwas nicht zu schaffen. Plötzlich gab es kein Ziel mehr, ich musste mich nicht mehr aufreiben. Stattdessen machten die Dinge wieder Freude. Ich ging zur Arbeit und war voll bei der Sache, während ich vorher immer das Gefühl hatte,  das praktische Geldverdienen ist der größte Zeitfresser, der mein Blogprojekt von Natur aus zunichte macht. Ich konnte wieder Verabredungen mit Freunden genießen und musste mich nicht mehr abschotten mit der Begründung, keine Zeit zu haben, weil meine To Do Liste immer drängender wurde.

Ich fühlte mich nicht mehr getrieben und unfertig, sondern genährt und bereichert. Ich war da angekommen, wo ich augenscheinlich sein sollte. Mein innerer Widerstand hat mich zurechtgerückt. Die Verkantung resultierte so gesehen aus meinem Widerstand gegen den Widerstand.

Das richtige Timing!

Der Entschluss, gegen unsere Blockaden anzugehen, ist offensichtlich alles andere zielführend. WiderstandProduktivität und Ergebnisse erzielen wir nicht durch konsequentes Durchbeißen. Dieser Weg gleicht einer Schwangeren, die das Kind schon vorm natürlichen Geburtstermin auf die Welt pressen will.

Es gibt eine Qualität der Zeit, die den Fokus auf das legt, was gegenwärtig angesagt ist. Ist es Zeit, zu entspannen oder zu arbeiten? Ist es gerade Zeit, innezuhalten oder die Initiative zu ergreifen? Mit der jeweiligen Qualität zu gehen und dem natürlichen Fluss zu folgen, scheint in Phasen unseres blockierten Handelns das Gebot der Stunde zu sein.

In diesem Sinne ist der Widerstand in uns kein Feind, der unserer Effizienz und Entwicklung im Weg steht. Auch verlieren wir nicht unser Ziel aus den Augen, wenn wir dem Widerstand nachgeben. Vielmehr unterstützt er uns in unserer Orientierung und verhilft uns grundsätzlich, in die Kraft des Schaffens und der Kreativität zu gelangen. Der Spruch „Nur die Harten komm’n in Garten“ stimmt von vorne bis hinten nicht. Was mich da so sicher macht?! Naja, das Ergebnis hast du gerade gelesen – meinen ersten Beitrag seit Wochen!

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4 Kommentare

    • brotundbuddha.de sagt

      Wow, das ist eine tolle Rückmeldung! Vielen Dank, liebe Kira, für deine schönen Worte. Ich fühle mich sehr geehrt und ermuntert.

      Liebe Grüße, Heidi

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