Denken
Schreibe einen Kommentar

„Tschakka“?! Welcher Motivationstyp bist du?

„Tschakka!“ galt Ende der 1990er Jahre als der Schlachtruf schlechthin, um sich selbst zu motivieren. Er beruht auf den niederländischen Motivationstrainer Emile Ratelband und hat es sogar bis in den Duden geschafft. Tausende Menschen sind in Ratelbands Seminare geströmt, um etwas von der Powerenergie zu erhaschen, mit der man scheinbar alles erreichen kann. Doch das Tschakka-Feeling währte meist nur kurz. Du kennst das sicher auch: anfangs noch stürzen wir uns begeistert in das Projekt unserer Wahl, die Motivation kennt keine Grenzen, wir könnten schlichtweg Bäume ausreißen. Doch so schnell das Tschakka! kommt, so schnell verflüchtigt es sich wieder und das ist auch kein Wunder: ohne zu wissen, was dich genau motiviert, um ein Ziel zu erreichen, bist du wie ein Bergsteiger, der ohne Schuhe auf den Gipfel kraxeln will.

motivationIn der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema geht man prinzipiell davon aus, dass Menschen unterschiedlich ticken, wenn es um Motivation geht. Die Experten unterscheiden hierbei in grundsätzlich zwei Quellen der Motivation.

Welche dieser Quellen zapfst du an, um dich zu motivieren?

Die intrinsische Motivation zeichnet sich dadurch aus, dass du eine Aufgabe um ihrer selbst Willen bewältigen möchtest. Die vorangestellte Idee hinter dieser Aufgabe besteht darin, etwas allein aus dem Spaß heraus zu tun. Deine Motivation orientiert sich an deinen dir innewohnenden Idealvorstellungen und Maßstäben. Du denkst gar nicht lange darüber nach, warum du etwas anstrebst und welche Vorteile du herausschlagen kannst. Deine Motivation erlangst du allein durch den Ausdruck deiner Kreativität, deines Engagements und deiner Leistungsfähigkeit. Wenn du das verwirklichen kannst, was in dir schlummert, dann bist du glücklich und zufrieden.

Bei der extrinsischen Motivation lässt du dich gerne von der Aussicht auf konkrete Vorteile leiten. Du erhoffst dir für deinen Einsatz eine bestimmte Belohnung von außen. Du möchtest Geld verdienen, auf der Karriereleiter die nächste Stufe erreichen oder schlichtweg in dem erfolgreich sein, was du tust. Hierbei speist sich deine Idealvorstellung aus deiner Rolle und den Erwartungen deines Umfelds. Du bist ein Teamplayer, der sich die Ziele von Gruppen und Organisationen zu eigen macht. Es geht nicht nur um deine eigene Leistung, sondern auch um Anerkennung und Zugehörigkeit.

Den Beschreibungen der Motivationsquellen liegt keine Bewertung zugrunde. Reich und berühmt werden zu wollen ist ebenso legitim wie sich selbst zu verwirklichen ohne einen Knopf in der Tasche.

bergsteigen

Neben der Motivationsforschung eröffnet ebenso die Verhaltenstherapie eine sehr nützliche Perspektive, um zu der Antwort zu gelangen, was dich eigentlich motiviert und wodurch du bei der Stange bleibst.

Was wir mit der Laborratte gemein haben

In der operanten Konditionierung der Psychologie spricht man von Verstärkern, die dafür sorgen, dass eine bestimmte Reaktion begünstigt oder erschwert wird. Das können zum Beispiel die Anerkennung einer Bezugsperson sein, Süßigkeiten oder Geld. Löst so ein angenehmer Reiz ein bestimmtes Verhalten aus, spricht der Experte von positiver Verstärkung. In diesem Falle tust du also etwas, um etwas Angenehmes zu erhalten. Wenn durch ein bestimmtes Verhalten ein unangenehmer Reiz verhindert oder beendet wird, handelt es sich um eine negative Verstärkung. Das bedeutet, dass du dich eher zu einem Verhalten motiviert fühlst, um eine bestimmte Situation zu verhindern. Auch hier liegen den Begriffen positiv und negativ keine Bewertungen zugrunde. Die operante Konditionierung verdeutlicht lediglich, dass es Menschen gibt, die sich durch die Beschaffung positiver Reize motiviert fühlen, während andere in ihren Handlungen eher davon bestimmt werden, etwas Negatives zu vermeiden.

Ich kann nach meinem persönlichen Erfahrungsstand ohne Umschweife zugeben, dass ich eher bergsteigendazu neige, aus der Vermeidung negativer Gefühle oder Umstände heraus zu handeln. Die Aussicht auf ein positives Resultat meines Verhaltens ist für mich zu abstrakt, negative Folgen einer Handlung oder die Unterlassung einer Handlung sind für mich jedoch deutlich greifbarer. Inwieweit ich eher intrinsisch oder extrinsisch motiviert bin, das kann ich noch nicht eindeutig beantworten. Ich halte mich für eine gesunde Mischung aus beidem. Wie sieht es bei dir aus?

Für mich war es sehr hilfreich, meinen mir zugrundeliegenden Motiven auf die Spur zu kommen. Es stellte einen wesentlichen Teil dar, mich selbst besser kennenzulernen. Mithilfe dieses Wissens ist es mir heute möglich, ganz bewusst abzuschätzen und einzuordnen, warum ich etwas tue oder unterlasse, während ich früher das Gefühl hatte, meinem Verhalten restlos ausgeliefert zu sein, als würden mich unbewusstes Impulse lenken ohne jedes Vetorecht.

In diesem Sinne: Ein Hoch auf die Wissenschaft!

Nach Oben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*