Therapie
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Tanz der Moleküle: Ein tanztherapeutisches Selbsterlebnis mit Yevgeniya Avner

Tanztherapie geht unter die Haut. Der Körper folgt seinen eigenen Regeln und was dabei herauskommt, ist an Selbsterkenntnis kaum zu überbieten. Ich ließ mich unter der Leitung von Yevgeniya Avner in dem Workshop „Ich und die anderen“ am 10.01.2016 im Feldenkraiszentrum Schöneberg auf meinen Körper ein, Aha-Momente inklusive.

Erst kurz vor der Veranstaltung wurde mir bewusst, dass für den Tanzworkshop tatsächlich acht Stunden angesetzt waren. Bislang war ich Teil einer wöchentlichen Tanztherapiegruppe, die sich für anderthalb Stunden zum Bewegen, Tanzen und Austauschen traf, und allein die dort durchlebten Erfahrungen waren für mich schon sehr gefühlsgeladen und intensiv. Neugierig, vorfreudig und auch ein wenig angespannt traf ich im Feldenkrais-Zentrum ein und fand mich sogleich in einer sehr herzlichen, wohlwollenden Atmosphäre mit acht weiteren Teilnehmern wieder. Yevgeniya führte uns behutsam in die Übungen ein. Zum Warmwerden wurden wir angehalten, uns neugierig auf unseren Körper zu fokussieren, seinen Bewegungen zu folgen, ganz gleich, welche Impulse in uns ihren Ausdruck finden wollten.

tanzenAch, tat das gut! Mein Verstand war wie weggeblasen, mein Körper seufzte auf, als er sich absichtslos und ungezwungen durch den Raum bewegen durfte, meine Füße hin- und hertänzelten, die Arme in die Luft schwangen und ich mich um mich selbst drehte. Darauf folgten Übungen in Kontakt mit den anderen Teilnehmern, ein Spiel von Distanz und Nähe, von Präsenz und Zurückhaltung, von bewegungsenergetischem Geben und Nehmen. Wir übten, gemeinsam mit und ohne Augenkontakt zu tanzen, unsere individuelle Aura zu erspüren, wechselseitig Bewegungsangebote zu unterbreiten und zu imitieren. Das innere Kind hatte seinen Spaß beim tänzerischen Herumtollen und Austoben in Kleingruppen. Und dann war da noch das „Ausstrahlungsfeedback“, eine sehr erhellende Übung, mithilfe derer wir herausfinden konnten, wie wir eigentlich auf andere Menschen wirken, indem jeder einzelne vor der Gruppe und von der Gruppe still und intensiv für einen Augenblick betrachtet wurde.

Tanz der Moleküle – eher Samba als Discofox

Im Laufe des Workshops überschlugen sich meine Empfindungen, ich wurde regelrecht durchgeschüttelt und auf links gedreht. Wie bewegt sich mein Körper? Wie fühlt er sich an? Lass ich mich weich von ihm tragen, sind die Bewegungen fließend oder fühle ich Verspannungen und Blockaden? Was teilt er mir mit? Welche Bilder steigen in mir auf und was haben sie zu bedeuten? Bin ich frei im Kopf? Welche Emotionen erlebe ich im Wechselspiel mit den anderen? Freue ich mich über den gemeinschaftlichen Raum, diese unmittelbare Erfahrung mit anderen zu teilen, fühle ich mich verbunden oder doch isoliert? Was macht es mit mir, mich den anderen ganz ungeschönt zu zeigen? Fühle ich Angst, bin ich verunsichert oder genieße ich das Zusammensein? Kann ich mich öffnen und hingeben, dem Körper freien Lauf lassen?

Ein Fest deiner Lebendigkeit

Ganz gleich, zu welchem Thema eine tanztherapeutische Session einlädt – durch die tanzenkörperorientierte Methode ist das Sich-selbst-Erleben immer unmittelbar. Sie kann starke Gefühle und Bilder hervorrufen, die du längst vergessen hast oder von denen du glaubtest, sie seien tief verschüttet. Durch die Bewegung triffst du auf den Kern deiner Empfindsamkeit, auf die Potenz deiner Freude wie auch auf die Untiefen deiner Verletzlichkeit. Plötzlich rappelt es ordentlich in der Kiste, es klickt im Kopf und du verstehst ganz direkt, was deine inneren Themen sind, die betrachtet und gelöst werden wollen. Diese Aha-Momente hatte auch ich. Von der weltoffenen, unerschütterlichen und kernigen Persönlichkeit, die ich glaubte, zu sein, war im Laufe des Workshops nicht mehr viel übrig. Ich, die sich stilsicher auf vermeintlich jedem Parkett bewegt und sich nicht den Buddha vom Brot nehmen lässt, musste feststellen, dass ich emotional gar nicht so fest im Sattel sitze.
Genau darin liegt die unwahrscheinliche Bereicherung der Tanztherapie. Denn sie wirkt nicht auf der Verstandes-, sondern auf der Körperebene. Sie bietet deinem Körper die Möglichkeit, die Führung zu übernehmen und dir damit in seiner ganz eigenen Sprache – durch Drehen, Beugen, Strecken, Hüpfen, Schütteln, Stampfen, Tänzeln usw. – zu signalisieren, wie es dir geht und was du brauchst, wo deine Stärken und deine Sehnsüchte liegen. Er reguliert sich durch die Bewegung selbst und fordert dich dazu auf, die Balance wieder herzustellen, denn das ist sein natürlicher Zustand. Wer unzählige Gesprächstherapien, Selbsthilferatgeber, Psychotests, Meditationen, Phantasiereisen oder sonstige kopflastige Unternehmungen durchgekaut hat und noch immer das Gefühl hat, sich mit seinen Fragen im Kreis zu drehen, der sollte sich das Erlebnis der Tanztherapie nicht entgehen lassen.

„Darf ich bitten?“ Die richtige Partnerwahl!

 

Jenia_Avner-cutDie Qualität einer gelungenen Tanztherapie kommt ohne einen kompetenten Tanztherapeuten nicht aus. Dabei geht Probieren über Studieren, so ähnlich wie bei der Suche nach dem passenden Friseur, der dir die Haare fast blind schneidet. Das tanztherapeutische Angebot von Yevgeniya Avner kann ich dir ohne Bedenken wärmstens ans Herz legen. Sie versteht es, dich im Nullkommanix mit einem Lächeln willkommen zu heißen. Sie bedarf keiner langen Einführungsrituale, um dich in die Atmosphäre der Tanztherapie zu entführen. Mit Leichtigkeit und spielerischer Neugier lädt sie dich zu ihren Übungen ein. Sie nimmt deine emotionale Beschaffenheit sehr genau wahr und weiß adäquat darauf zu reagieren. Vor ihr ist nichts peinlich oder gestelzt. Ihr freundliches und authentisches Auftreten, ihre klare und professionelle Unterweisung und der Funken von Esprit und Humor tragen dich durch den Workshop und geben dir die notwendige Stabilität für all die Erfahrungen, die du im Rahmen der Tanztherapie mit dir selbst machst.

Ihre Arbeit als Heilpraktikerin für Psychotherapie und ausgebildete Körper- und Tanztherapeutin kannst du im Neuraum Berlin kennenlernen. Die Jahresgruppe für die Reihe „Ich und die anderen“ findet ab Februar statt. Darüber hinaus bietet sie mit ihrer Kollegin Alexandra Sukharkova Einzel- und Paartherapie, offene Kurse und andere Workshops im Bereich Körper, Atem und Stimme an.

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