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Null Bock?! Deine Strategie, aktiv zu sein, wenn dir gar nicht danach ist

Ach, der Müßiggang – eine Gnade im hektischen Hin und Her des täglichen Einerlei! Ist es nicht schön, alle Viere von sich zu strecken, die nervigen To Do’s mal zu vergessen und sich im Garnichtstun zu suhlen? Den ganzen Tag im Schlafanzug im Bett zu bleiben, sich die Pizza liefern zu lassen und seine Lieblingsserie zu glotzen? Mal gar nichts müssen und die Welt da draußen ihre Kreise ziehen zu lassen? Ja, Müßiggang ist eine tolle Angelegenheit! Doch wenn die Faulenzerei zur Antriebshemmung mutiert, wird der Genuss schnell zur Qual. Denn dann fällt einfach alles schwer. Das Null-Bock-Tierchen hängt sich bleiend schwer an unsere Schultern und zieht die Stimmung gleich mit in den Keller. Die leichtesten Übungen werden zur Herausforderung und egal, was getan werden muss, in unserem Kopf klingt nur noch das Echo:

Null Bock! Null Bock! Null Bock!

langeweileMeine damalige Tanztherapeutin hat immer gesagt: „Der beste Grund, zur Tanztherapie zu kommen, ist, dass du gerade überhaupt keinen Bock darauf hast.“ Diesen Satz hab ich mir gemerkt. Denn je tiefer wir in die Antriebsarmut sinken, desto schwerfälliger wird unser Gemüt. Wir werden unausgeglichen, unser Denken verlangsamt sich, unsere innere Erlebenswelt bläht sich auf und koppelt sich von unseren Vitalitätsgefühlen ab. Im schlimmsten Fall verlieren wir gänzlich den Kontakt zu unserem Körper und kreisen nur noch in unseren Gedanken. Mit ihnen verbinden sich Gefühle von innerer Unruhe und Schuld. Wir lassen uns von uns selbst einreden, dass wir zu nichts fähig sind, dass wir es nicht wert sind und sinnlos unsere Zeit vergeuden. Mit jedem neuen Tag nehmen wir uns dann vor, es anders zu machen und stellen uns Aufgaben, die wir doch wieder verschieben. Denn eigentlich ist es doch ganz einfach, denken wir uns: einfach machen!

„Einfach“ ist nicht so einfach

Doch Tatsache ist: je öfter wir uns der Lethargie hingeben oder ihr vielmehr erliegen, desto schwerer wird es, den Hintern hochzukriegen. Der Körper und unser Geist stellen sich darauf ein, keine Anreize mehr zu bekommen und schalten auf Leerlauf. Daher ist es keine Frage der persönlichen Schwäche oder der Schuld, nie das zu erreichen, was man sich vorgenommen hat. Es ist einfach wahnsinnig schwer! Gleichwohl zählen die Funktionen unseres Organismus nicht als Ausrede, um sich weiterhin gehen zu lassen. Wir können dem Null-Bock-Tierchen die Stirn bieten und müssen es sogar, wenn wir die Kontrolle über unser Leben zurückerobern möchten und wieder freudvolle Gefühle erfahren wollen.

gefangen

Wir wissen zwar, dass Bewegung gute Laune verbreiten und zu einer ausgeglichenen Stimmung führen soll, aber ist uns das im Null-Bock-Moment tatsächlich begreifbar? Um die Hürde zu nehmen, sich durch das Dickicht der Unlust zu schlagen und in Aktion zu verfallen, reicht nicht eine Ahnung von besseren Gefühlen und Tatendrang in unwägbarer Zukunft. Schließlich haben wir es beim Null-Bock-Tierchen mit einem echten Pfundskerl zu tun, der sich uns in den Weg stellt. Vielmehr haben wir das Gefühl, erst zu Kräften kommen zu müssen, dass wir uns vitaler, ausgeschlafener, erholter fühlen müssen, um den Stein ins Rollen zu bringen. Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer: bevor unsere Stimmung dafür sorgen kann, aktiv zu sein, müssen wir aktiv sein, um unsere Stimmung zu heben. Oder anders formuliert:

Dir muss es nicht besser gehen, um zu handeln. Du musst handeln, damit es dir besser geht.

Ist dieser Zusammenhang erstmal verstanden (ich empfehle einen großen Zettel amRollschuhe Kühlschrank), hast du die erste wichtige Voraussetzung geschaffen, dich deinen Null-Bock-Phasen zu stellen. Um ins Tun zu kommen, habe ich für mich folgende Denkansätze und Strategien entwickelt, an denen du dich für den Umgang mit deiner Unlust orientieren kannst:

 

1. Null Bock ist nicht der Feind. Es ist ein Teil von dir, mit dem du arbeitest, nicht gegen den du arbeitest. Sich gegen Null Bock zu stellen bedeutet nur Schuldgefühle und Frustration, die dich in deinen Vorhaben hindern.

2. Mach keine großen Wochenpläne, in denen du motiviert alles aufschreibst, was du schaffen willst. Wenn du dir zuviel vornimmst und nur eine Sache nicht gelingt, fällt das Kartenhaus meist schnell in sich zusammen. Nimm dir deshalb lieber jeden Tag eine Sache vor. Das kannst du auch spontan tun, dazu brauchst du keinen neuen, teuren Terminplaner.

3. Beobachte deine Gefühle bei der Erfüllung dieser Aufgabe. Wie fühlst du dich davor, währenddessen und danach? Wie schwer fiel dir die Erledigung? Welche Gedanken und Gefühle tauchen auf, wenn du dein Handeln verschiebst? Wie fühlst du dich, nachdem du es geschafft hast?

4. Nimm dir in deinem Tun Zeit, viel Zeit!!!! Versuch nicht, der Situation auszuweichen, indem du die Aufgabe schnell erledigt haben willst, um dann wieder in dich zusammenzufallen. Koste deine Gefühle währenddessen voll aus!

5. Entwickele deinen eigenen Rhythmus! Es ist vollkommen ok, nicht wie ein Uhrwerk zu ticken. Jeder hat seine individuelle Tageszeit, zu der ihm die Dinge leichter fallen. Wenn du drei Stunden brauchst, um warm zu werden, ist das vollkommen in Ordnung.

6. Sei geduldig und wertschätzend mit dir. Die Welt geht nicht unter, wenn du am Tagesziel vorbeigeschrammt bist. Und du kannst immernoch den Nobelpreis gewinnen, auch wenn du nicht den Abwasch erledigt hast. Morgen ist ein neuer Tag. Du bist weiterhin ein vollwerter und liebenswerter Mensch.

7. Zieh keine Vergleiche zu anderen Menschen, denen vermeintlich alles viel leichter von der Hand geht. Du machst gerade ein Übungsfeld mit dir selbst auf. Darin gibt es nur dich und deine eigene Challenge.

8. Hast du schon ein wenig Erfahrung mit dir in deinem Programm gesammelt, wirst du bemerken, dass der Gedanke „Ich hab null Bock!“ immer mal wieder auftaucht. Dann wirst du die Kraft haben, diesem Gedanken nicht nachzugeben, sondern zu dir sagen können: „Ok, da ist der Gedanke. Den kenne ich schon. Ich tue es trotzdem.“

Lass dich von deinen Gedanken und Gefühlen nicht beirren. Sie steigen auf und verschwinden auch wieder in der Versenkung. Wird dein Handeln zum Leitmotiv für Freude und Ausgeglichenheit, entwickelst du Kraft und Widerstandsfähigkeit. Es ist der ureigene Ausdruck deiner Selbstwirksamkeit. Und immer daran denken:

Wer nicht handelt, wird behandelt!

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