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Irgendwas ist immer! Dukkha und die Kunst, sich nicht nerven zu lassen

Seien wir mal ehrlich. Irgendwas ist eigentlich immer, oder? Während der Sommer zu heiß ist, ist der Winter zu kalt, die Nacht ist zu kurz oder der Weg zu lang. Die gerade frisch gestylte Frisur wird durch den ersten Windhauch zerstört. Du verpasst deine Bahn, weil irgendein Träumer vor dir nicht aus dem Quark kommt und deine Einkaufstüten musst du in den fünften Stock buckeln, weil der Fahrstuhl mal wieder streikt. Die Dinge sind meist nie so, wie sie sollten. Kennst du das Gefühl der Unruhe, wenn du mal keine Probleme hast? Ich habe in solchen Momenten immer das Gefühl, ich hätte etwas Wichtiges vergessen. Und selbst, wenn mir die Sonne aus dem Popo scheint, währt das meist nicht lang. Der nächste Stolperstein wartet schon darauf, so richtig zu nerven.

Das Leben kostet Nerven

Dass es so viele Stolpersteine gibt, die uns jeden noch so tollen Tag vermiesen können, und seien es die geringsten Kleinigkeiten, liegt nicht am unbarmherzigen Leben, das es nur mit uns nicht gut meint. Die traurige Wahrheit ist: das Leben meint es in dieser Beziehung mit allen gleich. Restlos allen! Da gibt es keine Ausnahme!

buddhismus

Die Buddhisten haben für dieses Phänomen ein Wort. Sie nennen es Dukkha. Dukkha wird oft nur allgemein mit Leid übersetzt, allerdings umfasst es nicht nur die Tatsache des Leidens durch Alter, Krankheit und Tod, dem jedes Lebewesen ausgesetzt ist. Es beinhaltet überdies den Zustand des durchgängiges Unerfülltseins oder anders formuliert: die Unmöglichkeit vollkommenen, geistigen und weltlichen Friedens im Leben.

Genervtsein gehört zum Leben

entspannungDas Leben in seiner materiellen Form ist von Natur aus so angelegt, dass kein Zustand, in den wir uns begeben, dauerhaft glücklich macht. Wenn du beispielsweise nach einem langen Ausflug nach Hause kommst und die Füße hochlegen kannst, dann breitet sich erstmal ein Gefühl der totalen Entspannung in dir aus. Endlich sitzen! Würdest du dann die nächsten Stunden so dasitzen, würde dieses Gefühl langsam weichen, der Hintern täte dir irgendwann weh, du würdest aufstehen und sagen: Ich kann nicht mehr sitzen, ich muss mich bewegen. Dieses kleine Beispiel kann man endlos variieren. Überleg dir eine Situation, die dich nach deinen Vorstellungen rundum glücklich machen würde und überprüfe sie dann. Ich habe dieses Gedankenspiel vollzogen und nicht eine einzige gefunden. Auch unsere geistigen Befindlichkeiten sind dem Dukkha ausgesetzt. Wünschenswerte Lebensbedingungen wie Sicherheit, Schutz oder Zugehörigkeit in Form von Partnerschaft und Familie, reichen nicht aus, um das Glück festzuhalten. Wenn dein Partner dein ureigener Glücksbringer schlechthin ist, dann verbring mal ein paar Wochen mit ihm zusammen auf engstem Raum. Das Gefühl der Liebe wird ziemlich auf den Prüfstand gestellt werden. So gibt es nichts, was wir tun oder erreichen können, um endlich den perfekten Zustand zu erlangen, der uns vom Unerfülltsein in Form von Genervtsein, Anstrengung, Aufregung, Stress, Wut, Traurigkeit, Langeweile usw. befreit.

Lass dich nicht nerven (oder zumindest weniger)!leben

Dass immer irgendwas Nervtötendes sein wird, was du nicht ändern kannst, weil es einfach vollkommen natürlich ist, ist das nicht gerade eine Wahrheit, die dir schmecken muss (mir schmeckt sie auch nicht). Nichtsdestotrotz ist das Wissen um Dukkha ungemein hilfreich für zukünftige, nervige Momente in deinem Leben:

1. Dukkha ist einfach da. Es ist absolut wertfrei und meint nichts persönlich. Es ist eine Art ein Naturgesetz, wie die Schwerkraft.

2. Du kannst dich darauf einstellen. Wenn du begriffen hast, dass das Leben so ist, fällt es dir leichter, die Dinge so anzunehmen, wie sie sich dir zeigen.

3. Durch dein Wissen um Dukkha weißt du auch, dass es allen Lebewesen so geht. Du stehst mit dem Gefühl des Unerfülltseins nicht alleine da.

Du kannst dich mit Dukkha in Gelassenheit üben, denn Dukkha ist unser größter Lehrmeister. Jedes Mal, wenn wieder irgendetwas Unvorhergesehenes passiert, was dir so gar nicht passt, kannst du sagen: Hallo Dukkha, du kleine Pottsau, da bist du ja wieder. Dich kenn ich schon und du kannst mal schön vergessen, dass ich mich von dir aus der Ruhe bringen lasse. Eine andere Übung mit Dukkha ist, dir im jeweiligen Moment, in dem dir das Messer in der Tasche aufzugehen droht, folgende Frage zu stellen: Kann ich etwas an der Situation ändern? Wenn ja, dann ändere sie! Nein? Dann hat es auch keinen Zweck, dich aufzuregen.

Für einen tieferen Einblick in das Daseinsmerkmal Dukkha und den daraus folgenden Konsequenzen für dich empfehle ich dir den Vortrag von Ayya Khema.

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