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Auf Tuchfühlung! Über die Basis einer gesunden Beziehung

Die Partnersuche kann einen an den Rand des Wahnsinns treiben. Trotz meiner vielen Gelegenheiten zum Daten mit durchaus interessanten Männern blieb ein näheres Kennenlernen aus und an eine feste Beziehung war schon gar nicht zu denken. Lange Zeit hatte ich nicht verstanden, wo der Hase im Pfeffer liegt. Ich bin doch nett, dachte ich mir, witzig und spritzig, nicht ganz doof…ich weise doch nichts auf, was einen nur ansatzweise stören könnte. Und dann kam mir der Geistesblitz! Genau das war mein Problem…

Im Rausch der Gefühle!

beziehungSich zu verlieben, ist wahrscheinlich kein Hexenwerk. Eh man es sich versieht, hat man sein Herz verloren. Plötzlich funkeln die Augen, das Herz puckert wie wild, wie auf Wolken schwebt man durch die weichgezeichnete Welt. Ob sich dabei lediglich biochemische Prozesse im Hirn abspielen oder es sich um einen schicksalhaften Donnerschlag handelt, ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass wir im Rausch der Gefühle vor allem eines wollen: eine Beziehung eingehen. Wir sind bereit für eine intensive Verbindung zu dem anderen. Wir wollen und suchen seine Nähe, wollen im Verhältnis zu dem anderen stehen und eine Einheit bilden. Um diesen Wunsch wahr werden zu lassen, schwingen wir uns auf, dem anderen unter allen Umständen zu gefallen.

Gefalle ich dir?

Nicht selten neigen wir dabei zur Übertreibung. Um möglichst nicht abgelehnt zu werden und in die ersehnte Beziehung zu gleiten, sind wir besonders offen. Wir haben ungebrochen Verständnis für die Belange und Bedürfnisse unseres Lieblingsmenschen. Wir sehen die Welt mit seinen Augen und beginnen, uns für seine Leidenschaften zu interessieren, um Gemeinsamkeiten herauszustellen. Nichts ist uns wichtiger, als dass es dieser Person an nichts mangelt, dass sie sich in unserer Gegenwart wohlfühlt und vor allem, dass sie erkennt, wie gut wir doch sind. Wir halten uns für den besten Partner/die beste Partnerin an seiner Seite und im Sinne optimaler Überzeugungsarbeit lassen wir uns jede Menge einfallen, den anderen zu beeindrucken.

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So sind wir immer erreichbar, präsentieren eine makellose Fassade, und wenn die sexuelle Anziehung überbordet und wir schließlich miteinander schlafen, dann ist das der ultimative Beweis dafür, dass die Botschaft endlich angekommen ist und der Schwarm Gefühle entwickelt hat. Der Sex wird zum unmittelbaren Zeichen tiefer Zuneigung stilisiert, vielleicht sogar zur nonverbalen Zustimmung, eine Beziehung einzugehen.

Ich brauche dich! Verlass mich nicht!

Das Maß an Verständigkeit, Kompromissbereitschaft und Anpassungsfähigkeit ist jedoch alles beziehungandere als ein bestechendes Argument für den/die Erwählte/n, sich zu verlieben und eine Beziehung zu beginnen. Denn das Subjekt der Begierde empfängt nicht die Botschaft, dass sich hinter all deiner Aufmerksamkeit und Fürsorge eine tolle Persönlichkeit verbirgt, in die es sich zu verlieben lohnt. Vielmehr übersendest du als Verliebte/r Informationen über dich, die dem Verlangen nach einer Beziehung mit dir diametral gegenüberstehen.

„Es ist egal, was du tust, ich bin immer da.“
„Ich brauche dich! Ohne dich bin ich nichts!“
„Mein Leben ergibt erst durch dich einen Sinn.“
„Du kannst mit mir anstellen, was immer du willst!“

Durch die Augen des anderen

Einerseits erkennen wir uns durch die Reaktionen auf unser Verhalten in Beziehung zu einem Menschen selbst. Schließlich ist es das, was wir aus der Beziehung zu unseren Eltern oder frühkindlichen Bezugspersonen gewohnt sind – wir erfahren, wer wir eigentlich sind. Mit der Wahrnehmung anderer und deren Ausdruck uns gegenüber entdecken wir unsere Fähigkeiten, unsere Vorzüge, das Wesen unserer Persönlichkeit. Uns wird ermöglicht, uns in der Welt zu verorten, uns wird ein sozialer Platz gegeben. Ob dieser Platz gerechtfertigt ist oder nicht bzw. wir gerecht von anderen behandelt werden, steht auf einem anderen Blatt. Da es sich bei sozialer Interaktion um einen wechselseitigen Prozess handelt, in dem du gleichzeitig Sender und Empfänger verbaler und non-verbaler Botschaften bist, erfährt dein Gegenüber durch dein Verhalten andererseits ebenso eine Information über sich selbst.

Beziehung braucht Nähe!

beziehung6Stattdessen du deinem Herzensmenschen, bezugnehmend auf die oben aufgeführten Botschaften, in deiner unerschütterlichen Hingabe mitteilst, wie einzigartig er für dich ist und wie liebenswürdig du selbst bist, hinterlässt du mit deiner Aufopferung ein eher klägliches und zudem langweiliges Bild.

Der Kontakt zu dir wird belanglos und auch dein Gegenüber gerät in die Gefahr, sich beliebig zu fühlen: „Wenn ich nicht um meinetwillen geliebt werde, sondern weil ich einfach da bin, dann ist diese Liebe austauschbar. Denn da sein kann auch jeder andere.“

Und reagierst du ausschließlich wohlwollend und verständnisvoll auf jedes Verhalten deines/r Auserwählten, ganz gleich ob du umgarnt oder gequält wirst, bist du für dein Gegenüber nicht einzuschätzen. Man weiß einfach nicht, mit wem man es zu tun hat. Du hast kein Profil, keine Facetten, du bist blass und uninteressant, unberechenbar und damit gefährlich. So wird dir dein Herzensmensch weder nah sein wollen, noch kann es irgendein Mensch tatsächlich.

Nähe durch Abgrenzung!

Eine ernsthafte und feste Beziehung lebt von Nähe. Und Nähe ist nur möglich, wenn du sichtbar beziehung7bist, wenn man weiß, worauf man sich mit dir einlässt. Sie erfordert Authentizität, allein diese schafft Vertrauen, sie gibt uns Sicherheit und Stabilität.

Es ist paradox: indem du dich abgrenzt, kannst du erst einem Menschen nah sein und nur durch deine Abgrenzung gibst du dem anderen die Chance, dir nah sein zu wollen.

Abgrenzung bedeutet, den anderen erfahren zu lassen, was dich auszeichnet – deine Haltung, deine Werte, deine Lebensweise. Mit Abgrenzung ziehst du eine klare Linie, wie du dir soziale Beziehungen vorstellst, unter welchen Bedingungen du liebst und welches Verhalten für dich gar nicht geht. Mit Abgrenzung schaffst du deine ganz persönlichen Eckpfeiler, die deinem Leben Bedeutung beimessen. Diese sind nicht austauschbar, die gehören ganz zu dir.

Du und der Rest der Welt

Durch Abgrenzung definierst du dich und machst einen Unterschied zum Rest der Welt. Du verschaffst dir ein Profil. Und eben dieses Profil mit seinem Ecken und Kanten macht dich liebenswert und gibt deinem/r Erwählten die Möglichkeit, dich ernsthaft kennenzulernen.

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Gleichwohl wirst du, indem du dich anderen in deinem ganzen Wesen zumutest, besser erkennen und auswählen können, wer zu dir am besten passt. Du bist nicht mehr abhängig von den Befindlichkeiten, Emotionen und Handlungen des anderen, die dich in deiner Ohnmacht, ihn von dir überzeugen zu wollen, wie in einem Wirbelsturm schutzlos hin- und herwerfen. Stattdessen gewinnst du an Resilienz und Kraft. Du musst dich nicht mehr an den unvorhersehbaren Verhaltensweisen des anderen orientieren. Vielmehr stellst du eine Beziehung zu dir selbst her – zu dem ureigenen, dir innewohnenden Kompass, der dir Halt und Orientierung gibt.

Und wenn du jetzt immernoch unsicher bist, dich ganz und gar zu zeigen, auf die Gefahr hin, beziehung2abgelehnt zu werden, dann bedenke einfach die goldene Regel:

Mit dem/r Richtigen kannst du nichts falsch machen und mit dem/r Falschen nichts richtig!

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