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Gute Zeiten, schlechte Zeiten – wie du deine Stärken im Blick behältst

Wir sind ganz fest mit unseren Gefühlen verbunden. Wenn uns die miese Stimmung überkommt, dann fallen wir. Die Laune sinkt buchstäblich in den Keller. Unsere Wahrnehmung engt sich auf das ein, was gerade nicht gut ist: Der Job nervt, eigentlich wollte ich doch immer was anderes machen. Die Bekanntschaft von letzter Woche meldet sich einfach nicht. Was hab ich denn falsch gemacht? Das Konto ist leer. Wieder nicht gespart, um in den Urlaub zu fahren. Dabei wäre eine Auszeit jetzt genau das Richtige. Das Wetter ist eh grau und verregnet. In solchen Momenten haben wir einfach keine Lust, auf gar nichts. Am liebsten würden wir unter der Bettdecke verschwinden und den Off-Knopf drücken. Da helfen auch keine gut gemeinten Ratschläge und Durchhalteparolen von Mama und Papa, der besten Freundin oder des Therapeuten. Wenn’s kacke ist, ist es einfach kacke! Und die Kacke lässt sich nunmal nicht rosa anmalen und als Cupcake verkaufen.

Die unendlichen Weiten negativer Emotionendepression

Schlechte Gefühle lassen sich nicht einfach wegdiskutieren. Was nützt der morgige Tag, wenn es dir gerade jetzt dreckig geht? Traurigkeit, Einsamkeit, Minderwertigkeitsgefühle, Unzufriedenheit, Wut und Ärgernis geben uns immer das Gefühl, dass sie nie enden wollen. Dass sie für immer da bleiben, dass es nie besser wird. Ebenso sind wir nicht mit den guten Momenten unserer Vergangenheit verbunden. Die Gefühle der Freude, der Ausgelassenheit und des Glücks erscheinen im Moment der Trauer wie weggeblasen, wir haben keinerlei Kontakt zu ihnen und können sie nur herbeisehnen. Der Grund hierfür ist, dass negative Emotionen so verdammt stark sind, sie ringen uns nieder. Durch sie fühlen wir uns schwach und hilflos, wir sind ihnen ausgeliefert. Als hätte uns eine Dampflok überrollt und platt gewalzt. In diesen Situationen erinnern wir uns nicht daran, wann es uns mal richtig gut ging. Ja, sind wir denn überhaupt in der Lage, uns gut zu fühlen, wenn sich das Leben gerade einfach nur ätzend anfühlt.

Deine Vorsorge in guten Zeiten

Um dich zu erinnern, dass die schlechten Zeiten eben doch ein Ende finden und nicht schicksalhaft an dir kleben wie ein ausgelutschter Kaugummi am Schuh, ist es hilfreich, eine Brücke zu den guten Zeiten zu schlagen, in denen du die Fülle deines Lebens gespürt und dich rundherum wohlgefühlt hast. Da sich in schlechten Zeiten der Zugang zum positiven Gefühl schwer herbei beschwören lässt, funktioniert die Erinnerung daran in authentischer Weise nur dann, wenn es dir tatsächlich gut geht. Mithilfe von drei Fragen kannst du dir deine positiven Lebensbedingungen vergegenwärtigen und zwar genau jetzt, auf der Sonnenseite deines Lebens:

1. Was ist gerade gut in meinem Leben? Notiere die Antworten stichpunktartig.

2. Woher kommen all die guten Dinge bzw. warum ist das so? schreibenHier gibt es zwei Antwortmöglichkeiten. Du kannst zu dem Schluss kommen, dass all die guten Dinge reiner Zufall sind, wofür du gar nichts kannst. Es ist eben alles so passiert, das hat mit dir gar nichts zu tun…hmm, ist das tatsächlich realistisch? Die andere Variante ist, dass du feststellst, dass allein du dafür verantwortlich bist. Dass du die Bedingungen und Ursachen geschaffen hast, die dich in deine tolle Lebenssituation geführt haben. Das warst du!!!

3. Was sagen die guten Dinge über mich aus? Bei der letzten Frage ziehst du Rückschlüsse aus den Stichpunkten der ersten Frage auf deine Person. Dadurch erhältst du eine Fülle von deinen Stärken und positiven Eigenschaften, die dich ausmachen und die du als Ressourcen in dir trägst. Notiere sie!

Beispiele aus meiner eigenen Positivliste:
Was ist gerade gut in meinem Leben?
– Ich habe gute Freunde
– Ich habe endlich den Führerschein gemacht
– Ich wohne in Berlin. Hier gibt es alles, was ich brauche.

Woher kommen die guten Dinge? Warum ist das so?
– Das war ich!

Was sagt das über mich aus?
– Ich bin aufgeschlossen und freundlich (Freunde)
– Ich bin zielstrebig und kann mich durchbeißen (Führerschein)
– Ich bin mutig und kann mich auf Neues einlassen (Umzug nach Berlin)

sommer

Diese kleine Übung hilft dir zum einen, eine Bilanz zu ziehen. Dir wird bewusst, was alles in dir steckt, welchen Reichtum dein Leben beinhaltet, wie wohl du dich gerade fühlst und wie glücklich du gerade bist. Sie schärft den Blick für all die Dinge in deinem Leben, die du im Alltag für gewöhnlich nicht wahrnimmst, die wahrscheinlich als eine Selbstverständlichkeit empfunden werden. Du wirst ein natürliches Gefühl der Dankbarkeit entwickeln und die Freude, die gerade in deinem Leben ist, bewusst erfahren. Du wirst vielleicht auch stolz auf dich sein, wenn du dir betrachtest, welche Hürden du in deinem Leben schon genommen hast. Zum anderen kannst du dich später, wenn es mal nicht so rund läuft und du denkst, die ganze Welt hat sich gegen dich verschworen, an diese Erfahrung erinnern. Du kannst dir sagen: Ja, da ging es mir gut. Ich habe es mir aufgeschrieben. Das alles habe ich in meinem Leben. Und obgleich es mir gerade nicht gut geht, da ist doch etwas in mir und um mich herum, was trotz der schlechten Gefühle da ist. Ich muss nicht verzagen.

Nein, musst du auch nicht!

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