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Voll daneben! Über dein Recht auf die eigenen Fehler

Lange habe ich mich herumgeschlagen mit dem Gedanken, meinen festen Job hinzuwerfen und mich selbständig zu machen. Ich hätte bis zum Ergrauen meines Haupthaares in meinem 9qm Büro sitzen können – keiner hätte mich behelligt. Dienst nach Vorschrift, im öffentlichen Sektor, ein Traum für viele Menschen. Doch ich fühlte in mir: sofern ich mich aus der Enge meines Berufes als Arbeitsvermittlerin eines Berliner Jobcenters nicht befreie, sprießen die grauen Haare viel früher. In dieser Entscheidung stieß ich nicht nur auf Verständnis. Mir wurde das Gefühl von Verantwortungslosigkeit um den Hals gehängt wie eine schwere Kette. Andere lecken sich nach meinem Job die Finger, wie kann ich die finanzielle Sicherheit auf’s Spiel setzen? Halte ich mich etwa für etwas Besseres? Bin ich naiv, zu glauben, dass ich entgegen der vielen tausend Selbständigen, die sich gerade so über Wasser halten, tatsächlich erfolgreich sein kann?

In meinen bisherigen Partnerschaften ging es mir ähnlich. Augenscheinlich gab es nichts zu meckern. Er ist ein anständiger Kerl, er bietet mir Sicherheit, er geht arbeiten, nimmt keine Drogen und reißt sich nicht um andere Frauen. Nach außen das perfekte Paar, im Inneren die Zweifel. Sieht so Partnerschaft aus? Muss ich mich zufrieden geben mit dem, was ich habe? Muss ich auf Leidenschaft verzichten und auf das Gefühl von Zusammengehörigkeit und Einheit zugunsten einer freundschaftlichen Beziehung, in der ich vermeintlich alles habe, was ich mir wünschen kann? Wenn ich mich aber nicht wunschlos glücklich fühle, stimmt dann etwas nicht mit mir?

Ich habe mich getrennt – von der „perfekten“ Partnerschaft und dem „perfekten“ Job. Ist das ein Fehler? Wer entscheidet eigentlich darüber? Und wen geht es etwas an?

Was ein Fehler ist, bestimmst du!

Sogenannte Fehler gründen sich auf Bewertungen und Zuschreibungen. Diese sind abhängig von der Perspektive, die du einnimmst. Ebenso beziehen sie sich auf die Werte, die du für dich definierst und nach denen du dich ausrichtest. Liegt ein Wert in deiner existenziellen Absicherung, wäre es für dich ein Fehler, den Job sausen zu lassen und dich in eine ungewisse Zukunft zu wagen. Ist dein Wert die Selbstverwirklichung, wägst du die Chancen und Risiken einer beruflichen Neuorientierung ab. Was ein Fehler ist, bestimmst du.

glückFehler stärken dich!

Selbst wenn du in deinem Vorhaben scheiterst und sich deine Erwartungen nicht erfüllen, und wenn alle um dich herum schon in den Startlöchern stehen und dir zurufen wollen: „Wir haben es doch gleich gewusst!“, kannst du aufgrund deiner eigenen Richtlinien das Ergebnis bewerten und zu einem ganz anderen Schluss kommen. Anstatt sich selbst für einen Versager zu halten, steckt großes Potential in deinen Fehlern:

 

  • Du hast eine Entscheidung getroffen und Eigenverantwortung übernommen.
  • Du bist ein Risiko eingegangen und hast neue Erfahrungen gemacht.
  • Du bist deinen eigenen Weg gegangen und hast wertvolle Erkenntnisse gesammelt.
  • Dein Leben ist dynamisch, du entwickelst dich weiter und ermöglichst dir Wachstum und Reife.
  • Du darfst dich neu ausrichten und von vorn beginnen. Darin liegt neues Potential.

 

Dein Leben, deine Entscheidungen!  füsse

Kein Mensch kann dir sagen, wie du dein Leben richtig führst. Allein du bist der Entscheidungsträger für dein Leben. Daher steht es auch keinem Menschen zu, dich in deinen Entscheidungen abzuurteilen oder anzugreifen. In der Auseinandersetzung mit Menschen, die meinen, dir Vorwürfe machen zu dürfen, kannst du dir über Folgendes bewusst sein:

  • Es gibt im Leben kein Richtig und kein Falsch. Das Leben ist dynamisch, es fließt in die eine und andere Richtung. Es gibt keine objektive Bewertung deiner Geschicke und Entscheidungen, nur subjektive.
  • Subjektive Urteile über dich, die von dir selbst kommen oder aus deiner Umwelt, sind abhängig und nicht inhärent. Sie unterliegen bestimmten Prägungen, Wertsystemen und persönliche Erfahrungen. Damit sind sie letztlich Meinungen und keine Wahrheiten.
  • Du kannst entscheiden, ob du diese Meinungen annimmst oder nicht. Du kannst dir Ratschläge und Unterstützung suchen. Darin liegt deine Freiheit. Genauso hast du die Freiheit, dich abzugrenzen und bestimmte, für dich nicht heilsame Meinungen ablehnen.
  • Fehler und Scheitern gehören zum Leben. Das ist menschlich, das ist normal. Wo kein Scheitern, da keine Bewegung.

Der Umgang mit deiner Angst

Natürlich hast du Angst vor Fehlern! Scheitern will niemand. Wir alle wollen, dass sich unsere Erwartungen und Wünsche erfüllen. Dass wir glücklich werden und die richtigen Entscheidungen im Leben treffen, die uns glücklich machen. Die Angst vor Fehlern ist also allgegenwärtig. Du kannst dich versperren und Entscheidungen in die Länge ziehen. Damit veränderst du jedoch nichts, sondern etwas wird sich in dir verändern, denn das Leben ist auch ohne deine Teilhabe dynamisch. Der Angst vor Fehlern kannst du aber auch begegnen, sie annehmen und auf deinem Weg mitnehmen. Du kannst dir sagen: „Ja, ich habe Angst, aber ich gehe trotzdem.“ Die Leitlinien hierbei sind deine Zuversicht und Vertrauen, deine Intuition oder deine innere Stimme, die dir sagt: „Ich muss etwas verändern, ich habe ein Ziel, das ist mein Weg.“

mädchenBevor wir einen Richtungswechsel vollziehen, haben wir uns das im Regelfall reiflich überlegt. Und in deinem eigenen Wandlungsprozess verlierst du nicht nur die Dinge, die dir, auch wenn du sie nicht haben, vertraut sind. Es eröffnen sich dir auch neue Möglichkeiten, neue Menschen, neue Spielräume.

Du hast ein Recht auf deine Fehler, weil du ein Recht auf dein eigenes Leben hast. Vielleicht wirst du scheitern und ganz bestimmt machst du Fehler. Vielleicht wünschst du dir manchmal einen Neustart, bei dem du alles anders machen würdest. Aber du kannst dir vertrauen, denn in diesem Moment deiner Entscheidung gab es unabänderliche Bedingungen, die eine Veränderung, einen Kurswechsel oder ein Wagnis nötig machten. Mit dem Risiko von Fehlern gehst du immer deinen eigenen Weg. Das kann beim besten Willen nicht falsch sein.

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