Alle Artikel in: Denken

Don’t worry! Ist Unglück nur ein Hirngespinst?

Ich bin ein großer Fan von allen Blogs, Foren und Webseiten, die der Selbstverwirklichung und Persönlichkeitsentwicklung verschrieben sind. Ja, ich will wachsen und gedeihen, ein glücklicher Mensch mit null Problemen sein und mich selbst hoch und runter lieben. Eigentlich müsste ich meine psychospirituelle Formvollendung schon längst erreicht haben bei all den Lebensweisheiten, die mir auf einschlägigen Selbsthilfekanälen offeriert werden. Stattdessen krieg ich bei jedem noch so gut gemeinten Ratschlag schlimmes Bauchweh. Und das aus folgenden Gründen… Selbstgemachtes Leiden! Wenn ich es ganz nüchtern betrachte, so haben wir heutzutage richtig Glück. Wir leben in einer bewusstseinsorientierten Zeit, in der immaterielle Werte und die Frage nach Sinnstiftung im Leben keine randständige Kategorie von Hippies und Jesusfreaks mehr sind. Jeder einzelne in der breiten Gesellschaft darf sich mit seinem individuellen Glück, seiner Selbsterfüllung und seiner Person als Ganzheit auseinandersetzen, ohne dass es anrüchig, egoman oder peinlich wirkt. Da wir auf der Suche nach uns selbst oft nicht wissen, wo wir eigentlich starten sollen, kommen uns gut gemeinte Ratschläge, Sichtweisen und Handlungsempfehlungen gerade recht. Instant müssen sie sein, in …

Schon aus Prinzip?! Warum ich lieber egozentrisch als moralisch bin

Die Weihnachtstage sind gerade vorbei, mir klebt der letzte Lebkuchen noch am Gaumen und der friedvolle Zauber besinnlicher Stunden in Liebe und Eintracht verflüchtigt sich leise in alle Ecken. Gerade in der Weihnachtszeit sind die Rufe nach ethischen Handlungsanweisungen besonders laut. Wir sollen unseren Nächsten lieben, dabei fallen den meisten die paar Feiertage in trauter Familie schon schwer. Wir sollen einander achten, nicht lügen, gerecht und rechtschaffend handeln, uns nicht versündigen. Währenddessen gerät die Welt in Krieg und Gewalt aus den Fugen, Flüchtlingsunterkünfte brennen, der Rechtsextremismus zeigt sein hässliches Gesicht, wie auf der anderen Seite muslimische Fanatiker ihren gottlosen Kampf für ein vermeintlich gottgefälliges Leben führen. Interessant ist, dass sich in diesem Stellungskrieg jede Prinzipienpartei als Propagandist moralischer Werte aufplustert: der Schutz von Nationalbewusstsein, Freiheit für alle oder die Sittlichkeit werden herangezogen, um die eigenen Taten zu legitimieren und die Menschheit auf einen besseren Weg zu führen. Was mich wirklich daran stört, ist, dass alle Prinzipienreiter dieser Welt immer genau wissen, was zu tun ist, nein vielmehr: wie der Mensch zu sein hat. Muss mir …

Schluss mit dem Kopfkino! Die einfachste Strategie für eine Sendepause

In unserer Jugend hat der eine oder andere von uns gerne Tagebuch geführt. Das Buch unserer Geheimnisse hat manchmal sogar einen eigenen Namen bekommen, so wichtig war es uns, die Ereignisse und Gedanken, die uns beschäftigten, aufzuschreiben. Führst du heute noch Tagebuch? Wenn nicht, empfehle ich dir, schleunigst wieder damit anzufangen, denn ein Tagebuch zu führen, ist ein sehr heilsamer Vorgang. Nun bist du heutzutage natürlich mit diversen Vehikel der multimedialen Welt ausgestattet, um die Eckpfeiler deines Lebens festzuhalten und mit anderen zu zelebrieren. Was gestern noch ein streng gehüteter Schatz deiner Gedankenwelt war, teilst du heute gern mit Freunden aus aller Welt. Was jedoch tief drinnen vor sich geht – die Gefühle, die Sorgen und Ängste, die Unsicherheiten und Entscheidungen, die getroffen werden wollen – all das wird gerne zurückgehalten, mit sich selbst rumgeschleppt und ausgemacht. Follow your heart, aber schreib dir vorher den Weg auf! Genau für solche Gelegenheiten gibt es das Herzensbuch. In diesem Buch schreibst du keinem imaginären Freund einen Brief, sondern eröffnest dir vielmehr einen Raum, in dem deine Gefühle …

Du und die anderen – ein Blick hinter die Kulissen

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Wir wollen gemocht werden, und so unternehmen wir sämtliche Anstrengungen, um ein positives Bild bei anderen zu hinterlassen. Unser Bedürfnis nach sozialer Akzeptanz und Zugehörigkeit verlangt es, dass wir uns von unserer Schokoladenseite präsentieren, und zwar immer und um jeden Preis. Die Strategien für das Gelingen des Kontakts zu anderen sind unterschiedlich, führen aber grundsätzlich zu einem Ergebnis: wir verlieren den Kontakt zu uns selbst. Der Nährboden für vermeintlich sozial erwünschtes Verhalten ist der innere Glaubenssatz, dass wir nicht OK sind, wie wir sind. Dass wir uns erst beweisen müssen, damit andere Menschen etwas mit uns zu tun haben wollen. Damit wir auf dem sozialen Parkett bestehen können, bedarf es bestimmter Strategien, die sich an unseren Selbstwert knüpfen, denn erst in der sozialen Anerkennung erfahren wir, was wir vermeintlich wert sind. So geht es also nicht nur darum, gute Kontakte aufzubauen und zu pflegen, sondern unseren eigenen Wert bemessen zu können. Hierbei handelt es sich um unterschiedliche Inszenierungsstile, die wir benutzen, um dem inneren Gefühl von …

Irgendwas ist immer! Dukkha und die Kunst, sich nicht nerven zu lassen

Seien wir mal ehrlich. Irgendwas ist eigentlich immer, oder? Während der Sommer zu heiß ist, ist der Winter zu kalt, die Nacht ist zu kurz oder der Weg zu lang. Die gerade frisch gestylte Frisur wird durch den ersten Windhauch zerstört. Du verpasst deine Bahn, weil irgendein Träumer vor dir nicht aus dem Quark kommt und deine Einkaufstüten musst du in den fünften Stock buckeln, weil der Fahrstuhl mal wieder streikt. Die Dinge sind meist nie so, wie sie sollten. Kennst du das Gefühl der Unruhe, wenn du mal keine Probleme hast? Ich habe in solchen Momenten immer das Gefühl, ich hätte etwas Wichtiges vergessen. Und selbst, wenn mir die Sonne aus dem Popo scheint, währt das meist nicht lang. Der nächste Stolperstein wartet schon darauf, so richtig zu nerven. Das Leben kostet Nerven Dass es so viele Stolpersteine gibt, die uns jeden noch so tollen Tag vermiesen können, und seien es die geringsten Kleinigkeiten, liegt nicht am unbarmherzigen Leben, das es nur mit uns nicht gut meint. Die traurige Wahrheit ist: das Leben meint …

„Tschakka“?! Welcher Motivationstyp bist du?

„Tschakka!“ galt Ende der 1990er Jahre als der Schlachtruf schlechthin, um sich selbst zu motivieren. Er beruht auf den niederländischen Motivationstrainer Emile Ratelband und hat es sogar bis in den Duden geschafft. Tausende Menschen sind in Ratelbands Seminare geströmt, um etwas von der Powerenergie zu erhaschen, mit der man scheinbar alles erreichen kann. Doch das Tschakka-Feeling währte meist nur kurz. Du kennst das sicher auch: anfangs noch stürzen wir uns begeistert in das Projekt unserer Wahl, die Motivation kennt keine Grenzen, wir könnten schlichtweg Bäume ausreißen. Doch so schnell das Tschakka! kommt, so schnell verflüchtigt es sich wieder und das ist auch kein Wunder: ohne zu wissen, was dich genau motiviert, um ein Ziel zu erreichen, bist du wie ein Bergsteiger, der ohne Schuhe auf den Gipfel kraxeln will. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema geht man prinzipiell davon aus, dass Menschen unterschiedlich ticken, wenn es um Motivation geht. Die Experten unterscheiden hierbei in grundsätzlich zwei Quellen der Motivation. Welche dieser Quellen zapfst du an, um dich zu motivieren? Die intrinsische Motivation zeichnet sich …

Wenn…dann…! Die Illusion vom Happy End

In drei Wochen ist Hochzeit. Nicht meine eigene, eine Freundin heiratet. Das ist die erste Hochzeit seit vielen Jahren, auf die ich eingeladen bin. Nicht, weil ich sonst nie eingeladen werde, in meinem Freundeskreis wird nur nicht allzu oft geheiratet. Schon vor Monaten war mir klar: wenn ich mich richtig ins Zeug lege, Sport treibe und auf meine Ernährung achte, dann werde ich die perfekte Figur haben, um in dieses perfekte Kleid zu passen, das ich mir extra für diesen Anlass gekauft hatte. Dann werde ich richtig super aussehen, dann bin ich die Königin der Nacht (neben der Braut) und dann werde ich ordentlich auf den Putz hauen. Ich habe mich natürlich nicht ins Zeug gelegt und das Kleid hängt weiterhin im Schrank für den perfekten Dann-Moment. Diese Wenn-Dann-Gedanken kommen immer wieder hoch und versetzen mich in Hochstimmung. Wenn ich erstmal meine Schulden bezahlt habe, dann…! Wenn ich erstmal ein eigenes Auto habe, dann…! Wenn ich im Lotto gewinne, dann…! Die Wenn-Dann-Schleife ist trügerisch. Man glaubt, das ersehnte Ziel bereits schnuppern zu können. Es fühlt …

Gute Zeiten, schlechte Zeiten – wie du deine Stärken im Blick behältst

Wir sind ganz fest mit unseren Gefühlen verbunden. Wenn uns die miese Stimmung überkommt, dann fallen wir. Die Laune sinkt buchstäblich in den Keller. Unsere Wahrnehmung engt sich auf das ein, was gerade nicht gut ist: Der Job nervt, eigentlich wollte ich doch immer was anderes machen. Die Bekanntschaft von letzter Woche meldet sich einfach nicht. Was hab ich denn falsch gemacht? Das Konto ist leer. Wieder nicht gespart, um in den Urlaub zu fahren. Dabei wäre eine Auszeit jetzt genau das Richtige. Das Wetter ist eh grau und verregnet. In solchen Momenten haben wir einfach keine Lust, auf gar nichts. Am liebsten würden wir unter der Bettdecke verschwinden und den Off-Knopf drücken. Da helfen auch keine gut gemeinten Ratschläge und Durchhalteparolen von Mama und Papa, der besten Freundin oder des Therapeuten. Wenn’s kacke ist, ist es einfach kacke! Und die Kacke lässt sich nunmal nicht rosa anmalen und als Cupcake verkaufen. Die unendlichen Weiten negativer Emotionen Schlechte Gefühle lassen sich nicht einfach wegdiskutieren. Was nützt der morgige Tag, wenn es dir gerade jetzt dreckig …

Think OXI – die heilsame Kraft des „NEIN“-Sagens

Gestern hat es uns ein ganzes Volk vorgemacht. Die griechischen Bürger sagten „OXI“! NEIN zur Fremdbestimmung durch die europäischen Institutionen! NEIN zum neoliberalen Spardiktat! NEIN zur Untergrabung der eigenen Souveränität! NEIN! NEIN! NEIN! Wann hast du das letzte Mal entschieden und mit kräftiger Stimme „NEIN!“ gesagt? Wenn dich bei dieser Frage ein heiß-kalter Schauer überfällt und sich in dir das unangenehme Gefühl der Unsicherheit ausbreitet, sei ganz beruhigt und atme durch, denn so wie dir geht es den meisten von uns. NEINsagen fällt schwer! In unserer Kindheit kam es gar nicht in Frage, „NEIN!“ zu sagen. Diese Erfahrung haben wir alle gemacht, wenn wir mit unserem kleinen Kinderwillen durch die Wand wollten und uns unsere Eltern zurück in die Spur wiesen. Wir hatten keine Wahl, wir mussten uns zwangsläufig anpassen. Unsere direkten Bezugspersonen gaben uns die überlebenswichtige Orientierung, wie die Dinge funktionieren, was geht und was nicht geht. Eltern als Sirenen der Gefahrenabwehr. So wurde das Urteil der Erwachsenen zum Maßstab für kindliche Handlungen. Waren wir als Knirpse gehorsam, gab es ein Lob oder eine …

Alle anderen, nur nie ich! Das ewige Leid des Vergleichens

Wenn ich durch die Stadt laufe, auf einer Party bin oder mich im Wartezimmer beim Arzt den aktuellen Klatschblättern zuwende, kommt immer ein und derselbe Gedanke auf: “Der oder die hat, was ich nicht habe.” Ich fange ganz automatisch an, mich mit anderen Personen zu vergleichen und komme dabei nie besonders gut weg. Die eine ist attraktiver als ich, der andere ist erfolgreicher, wiederum ein anderer gescheiter und viel interessanter, und am allerschlimmsten ist es, wenn jemand all diese bevorzugten Attribute in einer Person vereint. Wie abartig! Da kotz ich schonmal im Strahl. Denn allein der Vergleichsvorgang in meinem Kopf wäre ja kaum der Rede wert, würden sich nicht gleichzeitig in der Bewertung des objektiven Unterschieds zwischen mir und meinem Gegenüber Gefühle in meinem Magen auftun, die mir den ganzen Tag versauen. Ich fühle mich minderwertig, mangelhaft, unfertig, unattraktiv, erfolglos…kommt dir das irgendwie bekannt vor? Bähm! Gedanke – Bewertung – Abgleich – Gefühl Im Bruchteil einer Sekunde wird eine Kettenreaktion ausgelöst, die wir uns mal in slow motion ansehen können: Ich sehe Person X – …